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Lärmschutz
CDU gegen Tempo 30
in Reinhäuser Landstraße
Weitere Informationen

Klimaschutz
Heftige Kritik
am BioWärmeZentrumWeitere Informationen

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Verwaltung
Ausschuss- und
Ortsratssitzungen

Ausführlichere Informationen zu den Sitzungen erhaltn Sie unter www.goettingen.de ►Rathaus & OB ►Bürgerinfo ►Kalender.
Bürger können – zumeist gegen 18 Uhr – in allen Sitzungen sachbezogene Anliegen vorbringen.

Ausschuss für Umwelt,
Klimaschutz und Mobilität

pdg — Die biologische Vielfalt in der Feldmark Geismar und das Arbeitsprogramm des Göttinger Mobilitätsmanagements sind Themen des Ausschusses am Dienstag, 23. Januar, ab 16.00 Uhr im Sitzungssaal Cheltenham (118) im 1. OG des Neuen Rathauses. Beraten wird laut Tagesordnung nicht nur über die Fortsetzung des Busangebot zum und vom Kehr, sondern auch über eine Reihe von Anträgen, u.a. zur Verkehrsberuhigung in Esebeck (SPD-Fraktion), zur Ausweisung des Ascherberg-Waldgebietes als Geschützter Landschaftsbestandteil“ (gemeinsam PIRATENundPARTEI-Ratsgruppe, FDP- und GöLinke-Fraktionen, Ratsherr Wucherpfenning), zur Oberflächenqualität von Radverkehrswegen (Bündnis 90 / Die Grünen-Fraktion) sowie zum Ausbau von Wirtschaftswegen für den Radverkehr und zur Ausweisung einer Pappel als Naturdenkmal in der südlichen Feldmark“ (PIRATENundPARTEI-Ratsgruppe).

Ratssitzung
pdg — Zur Wahl eines neuen Ersten Stadtrats tritt der Rat der Stadt Göttingen am Mittwoch, 24. Januar, zu einer außerordentlichen Sitzung zusammen. Sie beginnt um 16.00 Uhr im Ratssaal im Erdgeschoss des Neuen Rathauses. Gewählt werden soll auf Vorschlag von Oberbürgermeister Rolf Georg Köhler der 38jährige Jurist Christian Schmetz.

Schulausschuss
pdg — Mit der Kosten- und Leistungsrechnung der städtischen Küchenbetriebe und der Fortführung von Schwerpunktschulen zur inklusiven Beschulung setzt sich der Schulausschuss in seiner Sitzung am Donnerstag, 25. Januar, ab 16.00 Uhr im Sitzungssaal Thorn (126) im 1. OG des Neuen Rathauses auseinander. Beraten wird laut Tagesordnung über einen Antrag der CDU-Ratsfraktion zur „Umwandlung der Wilhelm-Henneberg-Schule in eine Offene Ganztagsschule“.

Ortsrat Geismar
pdg — Die Vorstellung des Schulstättenentwicklungskonzeptes und ein interfraktioneller Antrag zum „Grüngürtel im Göttinger Süden“ sind Themen des Ortsrates Geismar am Donnerstag, 25. Januar, ab 19.30 Uhr im Sitzungssaal der Verwaltungsstelle, Kerllsgasse 2. Laut Tagesordnung geht es außerdem um das Osterfeuer 2018 sowie um Anträge zur Verkehrssicherheit „Am Kalten Born“ (Bündnis 90 / Die Grünen und SPD-Fraktionen) und zur Geschwindigkeitsbegrenzung auf der Reinhäuser Landstraße (Ortsratsmitglied Conrad).

Ortsrat Grone
pdg — Mit dem Schulstättenentwicklungskonzept, dem Aufstellungsbeschluss für die 5. Änderung des Bebauungsplans Göttingen-Grone Nr. 19 „Salinenweg“ und der angestrebten Planungskostenvereinbarung „Ehemaliges EAM-Hochhaus“ befasst sich der Ortsrat Grone am Donnerstag, 25. Januar, ab 20.00 Uhr im Bürgerhaus, Martin-Luther-Straße 10. Beraten wird laut Tagesordnung außerdem über eine Stellungnahme der Verwaltung zur beantragten Busverbindung zur Siekhöhe, über zwei Zuschussanträge, das Osterfeuer 2018 und Anträge zur Erstellung digitaler Wanderkarten (SPD-Fraktion) sowie wegen fehlender Verkehrszeichen in der Lichtenwalder Straße (CDU-Fraktion).

 

Lärmschutz
CDU gegen Tempo 30 in Reinhäuser Landstraße
„Pflicht zur zügigen und verträglichen Abwicklung des Verkehrs“

Während sich die CDU-Ratsfraktion jahrelang für mehr Lärmschutz am Holtenser Berg engagiert hat, lässt sie dieses Engagement den Anwohnern der Reinhäuser Landstraße gegenüber vermissen. Dort ist ihr die „zügige und verträgliche Abwicklung“ des, wie sie selbst einäumt, „unstrittig zunehmenden Verkehrs“ wichtiger als die Gesundheit der dort wohnenden Bevölkerung. Und sie sieht auch die Verwaltung in der Pflicht, der selbst attestierten Verkehrszunahme keine weiteren Hindernisse in den Weg zu legen.

Lärmaktionsplan
 
Als kritische Lärmquelle schon im Lärmaktionsplan von 2013 erkannt: die Reinhäuser Landstraße (Nr. 25 u. Nr. 10)Stadt Göttingen / LK Argus

Das war nicht immer so. Vor vielen Jahren gingen CDUler sogar auf die Straße, um gemeinsam mit Gleichgesinnten für eine Reduzierung des Verkehrs, für weniger Lärm und für saubere Luft in der Reinhäuser zu mobilisieren. Wobei allerdings nicht so ganz auseinander zu halten war, ob es mehr um diese Anliegen ging oder eher darum, Pendler und Besucher schneller und bequemer zu ihrer Arbeitsstätte oder zum Einkaufen nach Grone zu bringen. Denn eine Schneise quer durch noch halbwegs intakte Natur im Göttinger Süden hätte natürlich auch eine Entlastung für die Südstadt gebracht, doch vor allem auch mehr Bequemlichkeit für autoverliebte Individualisten und insbesondere eine unwiderbringlich zerstörte Landschaft, von der Göttingen immer weniger besitzt. Das war einer Mehrheit der Göttinger dann doch zu viel Kurzsichtigkeit.

Die scheint immer noch nicht ganz ausgeräumt. Aktuell kritisiert die CDU-Ratsfraktion Gedankenspiele der rot-grünen Ratsmehrheit, die Reinhäuser Landstraße über einen Pilotversuch des Landes auch tagsüber auf Tempo 30 zu drosseln. Ein solches Tempo gilt allerdings bislang nicht einmal für die Nachtstunden, wie die überklebten Schilder dort seit Jahren verkünden. Die CDU-Ratsfraktion lehnt diesen Vorstoß vehement ab: „Das Oberzentrum Göttingen verletze damit die Pflicht zur zügigen und verträglichen Abwicklung des unstrittig zunehmenden Verkehrs.“

„Wer sich darüber freut, dass in den letzten fünf Jahren die Zahl der Arbeitsplätze wie auch der Studierenden um jeweils rund 5.000 zugenommen hat, der kann nicht andererseits den innerörtlichen und den Regionalverkehr abwürgen“, erklärt der stellvertretende Vorsitzende der CDU-Ratsfraktion, Ludwig Theuvsen. „Noch nicht einmal, wenn vor Jahren die Südumgehung realisiert worden wäre, könnten wir uns an der Reinhäuser Landstraße solche Spielchen erlauben. 38.000 Einpendler müssen werktäglich in Göttingen ihren Arbeitsplatz erreichen. Für jeden einzelnen ist es ein Stück wesentlicher Lebensqualität, dass er diesen Weg in annehmbarer Zeit und auch trockenen Hauptes zurücklegen kann.“

So kann man es natürlich auch sehen: trockene Füße und Köpfe und zügiges Vorankommen als Qualitätsmerkmal für Lebensqualität. Was zählen da schon saubere Lungen und psychische wie gesundheitliche Belastungen durch Lärm.

Er könne Göttinger Sozialdemokraten absolut nicht verstehen, die dafür den arbeitenden Kollegen aus der Region die Benutzung des eigenen fahrbaren Untersatzes vermiesen wollen, pflichtet der Vorsitzende im Bau- und Planungsausschusses, Hans Otto Arnold (CDU), Theuvsen bei. Es sei eine pure Illusion, dass in unserer Region mit ihrer ländlichen Struktur der ÖPNV wesentliche Teile des Pendlerstroms auffangen könnte. Der motorisierte Individualverkehr werde auch in den folgenden Jahrzehnten für unsere Region von grundsätzlicher Bedeutung bleiben – allenfalls die Antriebsart wird sich ändern.

Nun könnte man ja daran arbeiten, dass sich das ändert – vor allem in den Köpfen der politischen Entscheidungsträger. Dazu müssten sie allerdings weniger industriehörig und bürgerfreundlicher werden. Solange sich jedoch eher die Zivilgesellschaft statt die Politik für mehr Lebensqualität engagiert, die über individuelle Freiheiten hinausgeht und den Gemeinsinn mehr in den Blick nimmt, wird dies noch ein langer Weg bleiben. Nach Überzeugung der CDU-Ratsfraktion bedarf es jedenfalls keiner weiteren Versuche, um den „optimalen Fahrzeugdurchsatz einer Straße“ zu ermitteln.Dieser liege nicht bei Tempo 30, sondern in allen Praxistests seit 1972 klar um Tempo 50, ist sie sich sicher.

Unweigerlich habe in Göttingen die Zahl der zugelassenen Fahrzeuge im Jahr 2017 einen neuen Spitzenwert erreicht und neue Verkehrszählungen haben eine deutliche Zunahme des Verkehrs im gesamten Stadtgebiet nachgewiesen, räumen auch die CDUler ein. Was will man mehr. Mehr Verkehr, mehr Wachstum, Umsatz etc. pp. und auch mehr Umweltbelastungen. So geht es voran. Und nicht mit querulatorischen Einwohnern, die dies alles ertragen müssen.

 

Klimaschutz
Heftige Kritik am BioWärmeZentrum
Dioxine und hochgefährliche Feinstaubpartikel gelangen in Atemluft

Das in der Göttinger Weststadt geplante Biowärmezentrum für die Verbrennung von Frisch- und Altholz aus der Region stößt auf heftige Kritik bei einem Bündnis gegen ein solches Projekt. Von den Grünen und der SPD als „Meilenstein der Nachhaltigkeit zur Senkung des CO2-Ausstoßes bezeichnet“, hält dieses ein Biowärmezentrum für „Greenwashing“ und damit für Augenwischerei.

Da das Biowärmezentrum einer wirklich nachhaltigen Energieerzeugung in Einheit mit der Natur auf dem höchstmöglichen Stand der Wissenschaft und Technik entgegenstehe, hat sich gegen den Bau des Biowärmezentrums nun eine Aktionseinheit, bestehend aus der Umweltgewerkschaft, der Ratsfraktion Göttinger Linke, den Naturfreunden, der Hochschulgruppe des Jugendverbands Rebell, Wissenschaftlern und Einzelpersonen, gegründet. Sie fordert einen Ausbau der Energiegewinnung auf Basis nachhaltiger, umweltfreundlicher und erneuerbarer Energien auf dem höchsten Niveau der Wissenschaft und Technik sowie ein effektives Recycling für Biomasse, damit diese als wertvoller Dünger auf das Land eingebracht werden kann und nicht als Asche und Sonderabfall deponiert werden muss. Dazu lädt das Bündnis am 24. Januar um 19.00 Uhr zu einer öffentlichen Diskussion in das Zentrale Hörsaalgebäude auf dem Zentral-Campus ein.

Heizkraftwerk
Lagerung von Biomasse bei einem HeizkraftwerkFoto: Sensenschmied

„Durch die Verbrennung von Altholz und Restbeständen aus der holzverarbeitenden Industrie geraten mit den Abgasen unvermeidbar gesundheitsschädliche Stoffe und Partikel in die Atemluft“, so Prof. Dr. Rolf Bertram, emeritierter Professor für physikalische Chemie. „Unter diesen Luftschadstoffen auch die als Seveso-Gifte bekannten Dioxine und hochgefährliche Feinstaubpartikel.“ Prof. Dr. Christian Jooss von der Universität Göttingen führt weiter aus: „Die Entstehung der Feinstaubpartikel mit Größen im Nanometerbereich ist auf Grund der unvollständigen Verbrennung eine Gesetzmäßigkeit“. Der Experte für Nanomaterialien führt weiter aus: „Bis heute existiert für kleinste Partikel mit einer Größe unter 1 Mikrometer keine wirksame Filtertechnik. Partikel unter 1 Mikrometer dringen tief in die menschliche Lunge ein und gelangen mit ihrer Giftfracht in den Blutkreislauf. Partikel unter 0,1 Mikrometer können auch die Blut-Hirn-Schranke überwinden. Die Schätzungen des Bundesamtes für Umwelt kommen zum Ergebnis, dass im Zeitraum 2007-2015 im Mittel jährlich etwa 44.900 vorzeitige Todesfälle durch Feinstaub verursacht wurden. … In einem 2015 gemeinsam von der OECD und WHO veröffentlichten Bericht wird der volkswirtschaftliche Schaden durch feinstaubbedingte Luftverschmutzung für Deutschland und das Jahr 2010 auf etwa 145 Mrd. US$ geschätzt.“

„Mit der vorzugsweise von West nach Ost driftenden Abluftfahne werden luftgetragene Schadstoffe über weite Strecken transportiert. Es ist bekannt, dass dabei nicht nur Mensch und Tier betroffen sind“ betont der emeritierte Agrarwissenschaftler Prof. Dr. Sigmar Groenefeld. „Die ständig sich ablagernden Schadstoffe beeinflussen das gesamte Bodensystem. Sie wirken u.a. auf Bodenorganismen, wodurch die Fruchtbarkeit und die Pflanzenvielfalt (Biodiversität) nachhaltig verändert werden. Zu bedenken ist auch, dass der Verzehr der in der Abluftfahne geernteten Feldfrüchte – also auch Obst und Gemüse – höchst bedenklich ist.“

Auch wird durch Verbrennung der Nährstoffkreislauf der Biosphäre unterminiert. Behandeltes Altholz kann zum Beispiel giftige Imprägnier-Stoffe, chlorierte Kohlenwasserstoffe oder Schwermetalle in Lacken enthalten. Damit enthalten die Aschen hochgiftige Stoffe, wie Schwermetalle, polyzyklische Aromaten bis hin zum Ultragift Dioxin. Auch das unbehandelte Waldholz aus dem Harz enthält hohe Konzentrationen von Blei, Cadmium und Nickel und die Holzasche das krebserregende Chromat. Die Asche kann daher nicht als Dünger dem Nährstoffkreislauf zugeführt werden, sondern stellt giftigen Sondermüll dar.

Der Bau des Biowärmezentrums wird damit gerechtfertigt, dass die Stadt Göttingen einen Klimaschutzplan verabschiedet habe, der eingehalten werden muss. Das Biowärmezentrum bringe demnach eine Einsparung von 7000 Tonnen CO2 pro Jahr. Diese Aussage geht jedoch von seit dem Jahr 2012 endgültig als Irrtum entlarvten Rechenmodellen aus. Denn durch die Verbrennung von Biomasse lassen sich CO2-Emissionen nicht reduzieren. Der CO2-Gehalt der Atmosphäre wird ganz im Gegenteil hierdurch gesteigert, da z.B. Bäume CO2 absorbieren, mit jedem gefällten Baum also CO2-Absorbtionskapazität verloren geht. Der Sachverständigenrat für Umweltfragen hat in seinem Umweltgutachten 2012 auf diesen fatalen „Rechenfehler“ aufmerksam gemacht. Das folgt der Logik, jede Vergiftung der Luft in Kauf zu nehmen, wenn doch nur der CO2 Ausstoß gesenkt wird. Die gleiche Logik wurde schon beim mutwilligen Dieselbetrug von VW angewandt.

Die Stadt Göttingen rechtfertigt den Bau eines Biowärmezentrums, welchen auch der Klimaschutzbeirat befürwortet, mit dem „Masterplan 100 Prozent Klimaschutz Göttingen“. Darin wird anstrebt, die CO2-Emissionen in Göttingen bis zum Jahr 2050 auf null zu senken und den Energieverbrauch um 50 Prozent zu reduzieren. Der Restenergiebedarf soll langfristig weitestgehend lokal oder regional aus erneuerbaren Energiequellen gewonnen werden. Vor diesem Hintergrund befürwortet der Klimaschutzbeirat die Errichtung eines BioWärmeZentrums am Maschmühlenweg / Hildebrandstraße als wichtigen Baustein zur Umsetzung des Masterplans.

Von den ca. 1.500 GWh an Wärmebedarf in Göttingen werden aktuell ca. 90 GWh jährlich durch Fernwärme der Stadtwerke Göttingen AG bereitgestellt, legt der Klimaschutzbeirat ausführlich in einer Stellungnahme dar. Der gegenwärtige Produktionsmix sieht einen Anteil von ca. 32 Prozent dieser Wärmemenge aus erneuerbaren Energien in Form von lokalem Biogas sowie bilanziellem Biomethan in Kraft-Wärme-Kopplung vor. Der Großteil der Fernwärme wird derzeit noch aus der Verbrennung von Erdgas generiert.

Holzstapel
 
Jährlich ca. 200.000t FrischholzFoto: vs

Mit der Errichtung einer Holzhackschnitzelanlage zur Wärmegewinnung (6,5 MW) werde es möglich, den Anteil an erneuerbaren Energien in der Fernwärmeversorgung auf ca. 55 Prozent zu steigern und gegenüber der bisherigen Produktion jährlich ca. 5.000t CO2 einzusparen. Die Ergänzung durch eine Holzvergasereinheit bietet für die Wärmelieferung die Chance auf eine weitere Einsparung von 2.000t CO2 pro Jahr. Zusätzlich können durch die Nutzung des Holzgases in einer Kraft-Wärme-Kopplungsanlage jährlich ca. 7 GWh an regenerativen Strom gewonnen werden. Damit können für die Stadt gegenüber dem Strommix Deutschland weitere 5.500t CO2-Emissionen vermieden werden.

In der waldreichen Region Südniedersachsen wachsen jährlich ca. 200.000t Frischholz nach, führt der Klimaschutzbeirat aus. Dagegen existieren regional heute nur noch sehr geringe Holzverarbeitungskapazitäten, so dass die erforderlichen Mengen von ca. 8.000t Frischholz für das BioWärmeZentrum ohne Verdrängung anderer Nutzer regional nachhaltig gewonnen werden könne. Das benötigte Frischholz solle aus der Region (Entfernung bis maximal 50 km von Göttingen) bezogen werden und zumindest teilweise aus der städtischen Baumpflege und der regionalen Landschaftspflege stammen. Somit würden auch die Emissionen aus dem Transport der Holzmengen niedrig gehalten werden.

Heute sei es leider üblich, große Holzmengen in andere Bundesländer bzw. ins Ausland zu transportieren, bedauert der Klimaschutzbeirat. Um den regionalen Wäldern ausreichend Totholz zu erhalten, sollte weiterhin nur Kronenholz mit einer Stärke größer 12 cm für die Holzvergasung genutzt werden. Für den Bedarf an unbelastetem Altholz (Altholzkategorie A 1) stehen nach vorliegenden Untersuchungen regional genügend Mengen zur Verfügung. Der Beirat geht davon aus, dass durch den Einsatz der genannten unbelasteten Brennstoffe und auf Grund der gewählten Filtertechnik für die Bevölkerung keine Gefahren aus giftigen Emissionen entstehen: „Durch den Einsatz aktueller Filtertechnik mit einem Elektrofilter gemäß Bundes-Immissionsschutzgesetz ist auch keine relevante Zusatzbelastung an Feinstaub oder Ultrafeinstaub gegenüber den aktuellen Emissionswerten zu erwarten. Daher befürwortet der Klimaschutzbeirat die Errichtung des BioWärmeZentrums am vorgesehenen Standort Maschmühlenweg/Hildebrandstraße als wichtigen Baustein zur Umsetzung des ,Masterplans 100 Prozent Klimaschutz‘ und fordert Verwaltung und Ratsfraktionen dazu auf, das Projekt ebenfalls zu unterstützen und den Erwerb des dafür erforderlichen Grundstücks von der Stadt Göttingen zu ermöglichen“, heißt es abschließend.

SPD und Grüne wollen ebenfalls das BioWärmeZentrum
SPD und Grüne äußern sich ebenfalls positiv über ein BioWärmeZentrum. Das sei „genau das, was wir in Göttingen brauchen“, erklären die Fraktionsvorsitzenden von SPD und Bündnis 90/die Grünen, Tom Wedrins und Rolf Becker. Becker: „Wir haben am 14. März 2014 gegen die Stimmen der CDU/FDP-Gruppe den ,Masterplan 100 Prozent Klimaschutz‘ beschlossen. Wir wollen die klimaschädlichen Emissionen bis 2050 auf nahezu null bringen. Das geplante BioWärmeZentrum ist hierzu ein wichtiger Baustein.“

Die Fraktionen streben eine Energieversorgung jenseits des nuklear-fossilen Komplexes an. Dazu ist die Entscheidung für das BioWärmeZentrum ein konsequenter Schritt. „Starke Stadtwerke und Klimaschutz, diese Ziele sind mit dem Bau und Betrieb eines BioWärmeZentrums zu vereinbaren und dass ist gut“, ist sich Wedrins sicher. „Deshalb gibt es von uns eine klare Unterstützung des zukunftsweisenden Projekts. Das ist eine Chance für eine neue, innovative Technologie. Die Stadtwerke gehören mehrheitlich der Stadt. Damit bleibt die Energieversorgung in öffentlicher Hand. Und wir können lokal handeln. Wir werden das Fernwärmenetz in der Stadt wirtschaftlich und rentabel weiter betreiben. Davon profitieren die Kunden unserer Stadtwerke“, so Wedrins.

„Mit dem von den Stadtwerken geplanten BioWärmeZentrum können wir in Göttingen ca. 7000 Tonnen CO2 einsparen, das sind 2 Prozent unserer Gesamtemissionen und damit ein großer Schritt in Richtung Klimaschutz. Das BioWärmeZentrum ist klimaschonend, ökologisch und erzeugt nachhaltige Energie. Damit ermöglicht es umweltfreundliches Heizen. Das nutzt den Menschen und ist gut fürs Klima,“ ergänzt der Grüne Rolf Becker. Am 7. Dezember soll darüber im Bauausschuss entschieden werden,. wobei vorgesehen ist, dass die Stadt das vorgesehene Grundstück an die Stadtwerke AG verkauft. Der Verkauf des Grundstücks liege im Interesse der Stadt.

Die Rolle von CDU und FDP sehen sie kritisch. Dem CDU-Fraktionsvorsitzenden Dr. Scherer unterstellen sie, das BioWärmeZentrum verhindern zu wollen. „Statt dessen sollte er konstruktive Beiträge dazu leisten, die Energiewende hier vor Ort voranzutreiben.“ Zahlreiche Detailfragen zu dem BioWärmeZentrum seien bereits im Rahmen einer Bürgerinformationsveranstaltung der Stadtwerke am 1. November ausführlich beantwortet worden. „Die Fraktionen im Rat hatten genügend Zeit, sich eine Meinung zu bilden, jetzt ist die Zeit der Entscheidung.“

Göttinger Linke dagegen
Die Göttinger Linke Ratsfraktion, die sich dem Aktionsbündnis angeschlossen hat, sprach sich bereits vor einiger Zeit gegen ein solches Vorhaben aus. Ein völlig unerprobtes Kraftwerk in direkter Bahnhofsnähe, also sehr nahe am Zentrum der Stadt, berge auch Risiken: „Eine solche Anlage, wie sie hier in Bahnhofsnähe geplant ist, gibt es noch gar keine auf der Welt. Es gibt von der hier planenden Firma eine Mini-Versuchsanlage in Schweden, deren Daten wir trotz Nachfragen alle nicht kennen.“ Sie erwartet von allen Verantwortungsträgern einen nachvollziehbaren Prozess, der insbesondere die Bedenken von wissenschaftlicher Seite, wie sie jetzt geäußert wurden, dass entstehende Feinstäube bei dieser Art Verbrennung nicht weggefiltert werden können, ernst nimmt und sachlich aus dem Weg räumt und die Bevölkerung nicht den Risiken einer Versuchsanlage aussetzt.

„Das Projekt Biowärmezentrum ist weder ökologisch noch ökonomisch vorteilhaft und auch nicht innovativ“, zitiert das Aktionsbündnis einen Experten für Biomassevergasung und Biomasseverbrennung. „Auch würde die geplante Vergabe für den Bau der Anlage gegen EU-Vergaberecht verstoßen, sollte sie, wie angekündigt, an Boson Energy SA erfolgen“. Boson Energy ist eine Tochter der SMS group, ein internationaler Großkonzern im Bereich Hütten- und Walzwerktechnik. Statt einer für Kraftwerke üblichen öffentlichen Ausschreibung werde von den Stadtwerken jedoch eine freihändige Vergabe an Boson Energy angestrebt und mit einem Patent auf ein angeblich besonders umweltschonendes Holzvergasungsverfahren begründet. Die Firma sei u.a. auf die Entsorgung radioaktiver Abfälle spezialisiert, nennt jedoch keine Referenz für eine Kraft-Wärme-Kopplung mit Biomasse. Der Experte weiter: „Es liegen jedoch vier Beurteilungen von Patentämtern vor, dass der in der Patentanmeldung beschriebene Vergaser nicht innovativ sei.“

 

 

 
             
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