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Kommunalstruktur
Das ist beim Northeimer Michael Wickmann ganz sicherlich der Fall. Er würde lieber heute als morgen bei einem seiner Nachbarn andocken, denn „Northeim ist in Zukunft allein nicht handlungsfähig“. Da ihm jedoch der Landkreis Göttingen brüsk die kalte Schulter zeigt, kann die Wahl bislang nur auf Osterode fallen, so wie auch Hesse es empfiehlt. Doch das könnte sich bald ändern: mit Reuter. Der Osteroder Noch-Landrat scheint gänzlich ohne Leidensdruck, hat sich mit nur einem Prozent Vorsprung nach Göttingen wählen lassen und befindet sich in einer kommoden Position. Die Großfusion, von Hesse wie auch vom scheidenden Göttinger Landrat Schermann abgelehnt, ist eines seiner Lieblingsprojekte. Nun kann er sich daran abarbeiten. Osterode, argumentiert Reuter, kann sich mithilfe der Entschuldungshilfe aus Hannover finanziell sowieso selbst befreien – und wird dies auch tun. Dann aber, widerspricht er der Empfehlung Hesses, hätte Osterode kaum noch Interesse an einem maroden Nachbarkreis Northeim. „Wer jetzt für eine Fusion zwischen Northeim und Osterode plädiert, der schließt weitere Fusionen für die nächsten 20 Jahre aus“, entgegnet er dem Wissenschaftler. Alles andere wäre der Bevölkerung nicht zumutbar. Ähnlich argumentiert der scheidende Göttinger Landrat Reinhard Schermann, der keine Neigung verspürt, mit prekären Kreisen zusammenzugehen. Er habe die Interessen des Landkreises zu vertreten und dem gehe es gut. Fusionen könnten da nur zu einer Verschlechterung führen. In Zeiten zunehmender Vernetzung und auch unter dem Aspekt des Solidargedankens sind das recht armselige Argumente. „Die Herren argumentieren halt aus ihrer Interessenslage heraus“, versucht Hesse, Verständnis aufzubringen. Man könnte auch sagen: Sie sind nicht in der Lage, über ihren eigenen Tellerrand hinauszublicken. Grüne für Große Lösung Darauf wird es wohl hinauslaufen. Und damit auch auf eine rot-grüne Koalition im Landkreis.
Kinderbetreuung
Ende 2010 wurde für 42,8% aller unter Dreijährigen ein Platz in einer Krippe oder in Tagespflege in Göttingen vorgehalten. Das ist nicht nur landesweit, sondern sogar unter den westdeutschen Bundesländern absolute Spitze! Damit liegt Göttingen vor Städten wie Hannover, Wolfsburg oder Heidelberg, die sich ebenfalls vorbildlich im Bereich der Kinderbetreuung engagieren. Inzwischen steht für 44,6% aller Krippenkinder ein Platz zur Verfügung, 2013 soll die Göttinger Versorgungsquote sogar 48,2% betragen. Knapp 70% der Betreuungsplätze für Krippenkinder werden – dem Bedarf der Eltern entsprechend – ganztags vorgehalten, weitere 27% bieten eine Dreivierteltagsbetreuung. Göttinger Eltern wird die Vereinbarkeit von Familie und Beruf leicht gemacht. In den vergangenen drei Jahren hat Göttingen rund 400 zusätzliche Krippenplätze geschaffen. Schon lange wird damit das bundesweite Ziel, für ein Drittel aller Krippenkinder ein Betreuungsangebot zu schaffen, erfüllt. Darüber hinaus fördert die Stadt die Weiterentwicklung von Grundschulen zu Ganztagsgrundschulen mit erheblichen kommunalen Mitteln. Seit dem 01.08.11 bieten insgesamt acht Grundschulen einen Ganztagsbetrieb mit speziellen Nachmittagsangeboten an. Im nächsten Jahr kommen noch drei weitere dazu. Dieses herausragende Angebot lässt sich die Stadt Göttingen auch einiges kosten. Der Aufwand für Kinderbetreuung (Kindertagespflege, Krippe, Kindergarten, Hort) ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Lag er noch 2003 bei jährlich 13,1 Mio. €, beträgt er derzeit 22,5 Mio. € und wird bis 2013 im Zuge des weiteren Ausbaus an Krippenplätzen und Ganztagsgrundschulen auf 24,3 Mio. € pro Jahr ansteigen.
Grüne „Den meisten Menschen ist vermutlich gar nicht klar, wie viele Möglichkeiten der Bürgerbeteiligung und Informationsbeschaffung es im Rathaus gibt“, begründet der Vorsitzende der Fraktion, Rolf Becker, diese Initiative. In dieser Unwissenheit sieht er ein grundlegendes Demokratieproblem, denn „nur wer seine Rechte gegenüber Rat und Verwaltung kennt und sie im Zweifel ohne komplizierte Suche schwarz auf weiß nachlesen kann, wird seine politischen Interessen angemessen vertreten können.“ Das Spektrum der Mitwirkungs- und Informationsrechte beginnt beim Rederecht in den Ratsgremien und reicht über Akteneinsichts-, Anfrage- und Antragsrechte bis zur Teilnahme an Bürgerentscheiden und Wahlen. In diesem Zusammenhang erinnert Becker daran, dass Göttingen auf Initiative der Grünen voraussichtlich in Kürze als erste Stadt Niedersachsens eine eigene Informationsfreiheitssatzung beschließen wird und auch die Einführung eines Bürgerhaushaltes in greifbare Nähe rückt. Übersichtlich dargestellt werden sollten aber auch die besonderen Beteiligungsrechte in alltäglichen städtebaulichen Planungsverfahren. „Wer die Regeln nicht kennt, kann nicht mitspielen oder wird die ersten Runden wahrscheinlich verlieren“, so Becker. Das ist in der Politik nicht anders als in Gesellschaftsspielen. „Was wir brauchen ist eine kompakte und übersichtliche Kurzanleitung für sämtliche Instrumente der Bürgerbeteiligung im Internet, um Teilhabe zu erleichtern und den politischen Lernprozess deutlich zu verkürzen.“ Becker ist sich sicher, dass ein solches Angebot im Internet auch dazu geeignet ist, Politikverdrossenheit entgegen zu wirken. „Je mehr der Rat Bürgerbeteiligung als Chance begreift und stärkt statt sie als lästigen Störfaktor zu betrachten, um so mehr werden sich Bürger/innen ernst genommen fühlen und durch ihre Teilhabe die Legitimität politischer Entscheidungsprozesse stärken.“ |
Die Print-Ausgabe ________________________ |
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