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Bernstein im südlichen Pazifik
Forschungsgruppe zurück
pug — Ein internationales Forscherteam unter der Leitung von Privatdozent Dr. Alexander Schmidt untersuchte während einer sechswöchigen Expedition die Bernsteinvorkommen Neuseelands und reiste dann auf die Pazifikinsel Neukaledonien. Dort entdeckten sie neue Pilzarten und entschlüsselten Wechselbeziehungen zwischen harzenden Bäumen, Gliederfüßern und Mikroorganismen als Ursache erhöhter Harzproduktion. Sie wiesen für diese heutigen Ökosysteme nach, dass Insektenbefall und pathogene Mikroorganismen die Art und Menge von Harzausflüssen stark verändern. Diese ökologischen Zusammenhänge könnten eine Erklärung für die Bernsteinlagerstätten auf der südlichen Erdhalbkugel liefern.
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Araukarienwald auf Neukaledonien Foto: Universität |
Massive Bernsteinvorkommen entstanden im Lauf der Erdgeschichte in bestimmten Zeitabschnitten. Warum Bäume in manchen Zeiträumen überhaupt übermäßig Harz produziert haben, gilt bislang als ungelöstes Rätsel. Die tropischen Waldökosysteme Neukaledoniens werden von Koniferen dominiert, von denen einige Vertreter große Harzmengen produzieren. So konnte das Forscherteam an heute lebenden Arten untersuchen, unter welchen Bedingungen starke Harzflüsse produziert werden.
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Dabei stießen die Wissenschaftler auf eine Pilzflora, die artenreicher ist als bisher angenommen. Sie entdeckten neue Arten, die zur Gruppe der Schlauchpilze (Ascomycota) gehören. Diese neuen Pilzarten leben ausschließlich auf frisch entstandenen Harzflüssen der Koniferen und ernähren sich von den Inhaltstoffen der Harze. Das Forscherteam fand zudem verschiedene Rüsselkäferarten, die in Zweigen von Araukarien leben. Die Besiedlung durch die Käferlarven löst in den Ästen und Zweigen der Bäume eine gesteigerte Harzproduktion aus – als Abwehrmechanismus gegen den Insektenfraß. Von den dadurch entstehenden unzähligen Harztropfen profitieren wiederum Vertreter der oben genannten harzbewohnenden Schlauchpilze.
„Die Entschlüsselung solcher Wechselbeziehungen in heutigen Ökosystemen hilft uns dabei, Ökosysteme aus der erdgeschichtlichen Vergangenheit zu rekonstruieren“, erklärt der Göttinger Paläontologe Dr. Schmidt. „In die weiteren Diskussionen um die Ursachen für Bernsteinlagerstätten muss das Auftreten von neuen holzbewohnenden Insektengruppen und Mikroorganismen in der Erdgeschichte stärker als bisher einbezogen werden.“ Die Ergebnisse der ökologischen Studien auf Neukaledonien ermöglichen zudem ein besseres Verständnis der alten „Bernsteinwälder“ Neuseelands, die ebenfalls eine hohe Diversität an Koniferen aufwiesen und in denen, ebenso wie heute auf Neukaledonien, Vertreter der Araukariengewächse große Mengen an Harz produzierten.
Von ihrer Expedition brachten die Forscher auch Bernsteinstücke von bis zu zwei Kilogramm Gewicht von der Südinsel Neuseelands mit, die nun in Göttingen präpariert und nach Einschlüssen von Gliederfüßern, Pflanzenresten und Mikroorganismen durchsucht werden. Die Paläontologen wollen zum Beispiel herausfinden, ob die 20 Millionen Jahre alten Fossilien direkte Vorfahren von Arten heutiger neuseeländischer Waldökosysteme sind, oder ob es statt einer solchen kontinuierlichen Entwicklung zu einer mehrfachen Wiederbesiedlung der Inseln kam. „Durch den oft außerordentlich guten Zustand der Einschlüsse im Bernstein können diese zuverlässig mit den heute lebenden neuseeländischen Arten verglichen werden. Die Einschlüsse werden entscheidend dazu beitragen, Fragen nach dem Ursprung und der Entwicklungsgeschichte heutiger neuseeländischer Ökosysteme beantworten zu können“, so Dr. Schmidt.
Aerodynamik
Buckelwale als Vorbild
Hubschrauber wendiger machen
Moderne Hubschrauber könnten deutlich schneller und manövrierfähiger sein, wenn ihnen nicht die Aerodynamik bestimmte Grenzen auferlegen würde. Forscher des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Göttingen haben jetzt eine Möglichkeit, die Manövrierfähigkeit zu steigern, im Flugversuch getestet. Die Idee haben sie beim Buckelwal abgeschaut.
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Buckelwal und Hubschrauber Foto: DLR |
Dem Rotor verdankt der Hubschrauber seine besondere Fähigkeit, senkrecht starten und landen zu können. Er bringt aber gleichzeitig aerodynamische Nachteile mit sich. An dem Blatt des Hauptrotors eines Hubschraubers, das sich gerade nach hinten bewegt, reißt im schnellen Vorwärts- oder Manöverflug die Luftströmung ab – es kommt zum so genannten „Dynamic Stall“. Dadurch entstehen Wirbel, Auftrieb geht verloren und große Kräfte wirken auf den Rotor. Der Luftwiderstand erhöht sich und die Steuerstangen am Rotorkopf sind enormen Belastungen ausgesetzt.
Bei der Suche nach einer Möglichkeit, den Strömungsabriss bei Hubschraubern zu vermeiden, sind die Göttinger Forscher beim Buckelwal fündig geworden – was nur auf den ersten Blick verwundert. „Die Meeressäuger sind für ihre große Schnelligkeit und Akrobatik bekannt“, sagt Dr. Holger Mai vom Göttinger DLR-Institut für Aeroelastik. Dies verdanken sie ihren ungewöhnlich großen Brustflossen, die an der Vorderseite charakteristische Beulen aufweisen. „Untersuchungen haben gezeigt, dass durch die Beulen der Strömungsabriss unter Wasser deutlich später auftritt und der Auftrieb höher ist“, erklärt Mai.
Die DLR-Forscher haben die Idee von Beulen zur Verringerung des Strömungsabrisses auf den Hubschrauberrotor übertragen und als Leading-Edge Vortex Generators (LEVoGs) patentieren lassen. „Strömungsphänomene sind im Wasser wie in der Luft vergleichbar, sie müssen nur skaliert werden“, so Mai. Darum sind die künstlichen Beulen auf den Rotorblättern kleiner als beim Buckelwal. Sie haben einen Durchmesser von sechs Millimetern und wiegen nur 0,04 Gramm. Experimente im Windkanal waren vielversprechend. Jetzt konnte im DLR-Projekt SIMCOS (Advanced Simulation and Control of Dynamic Stall) auch ein Flugversuch mit dem DLR-Forschungshubschrauber Bo 105 in Braunschweig erfolgreich durchgeführt werden. Dazu wurden auf jedem der vier Rotorblätter 186 LEVoGs aus Gummi geklebt. Sollte sich die Idee als erfolgreich erweisen, könnten existierende Hubschrauber ohne größeren Aufwand nachgerüstet werden, hofft der DLR-Forscher.
Klimafolgen in Niedersachsen
Zweite Förderphase beginnt
pug — Den Folgen des Klimawandels für Niedersachsen gehen in einem groß angelegten Projekt zur Klimafolgenforschung insgesamt 19 Universitäten und Forschungseinrichtungen nach. Der Forschungsverbund „Klimafolgenforschung in Niedersachsen (KLIFF)“ wird koordiniert von der Universität Göttingen. Das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur fördert das Projekt seit 2009. Nun wurde nach einer erfolgreichen Zwischenbegutachtung eine weitere zweijährige Förderphase mit einem Volumen von insgesamt fünf Millionen Euro bewilligt.
Insgesamt besteht KLIFF aus sieben themenbezogenen Forschungsverbünden, die sich auf die Bereiche Klima, Land- und Forstwirtschaft, Naturschutz und Tourismus, Wasserwirtschaft, Küstenschutz und Raumplanung konzentrieren. Die Gutachter der Wissenschaftlichen Kommission Niedersachsen bescheinigen KLIFF ein hohes Potenzial für die Entwicklung tragfähiger Anpassungsstrategien an den Klimawandel – und das weit über Niedersachsen hinaus. Erste Ergebnisse im Bereich der Milchviehhaltung zeigen beispielsweise verschiedene Möglichkeiten auf, trotz des Klimawandels und steigender Temperaturen Ertragseinbußen zu minimieren. Im Bereich der Forstwirtschaft zeigten sich erhebliche Unterschiede im Aufbau und Wachstum von Buchenbeständen entlang eines Klimagradienten, was Folgen für die forstliche Planungspraxis hat. Und im Küstenschutz konnten die Wissenschaftler anhand von Computersimulationen zeigen, dass die Schutzfunktion der Deiche an den niedersächsischen Küsten in den kommenden 50 Jahren ausreichend ist.
In der zweiten Förderphase stehen die Zusammenführung der Ergebnisse aus den einzelnen Forschungsbereichen sowie die Analyse der Besonderheiten der niedersächsischen Regionen im Zuge des Klimawandels im Vordergrund. Aus diesen wissenschaftlichen Ergebnissen werden dann Handlungsempfehlungen und Anpassungsstrategien entwickelt und beispielsweise an Landwirte, Forstwirte, Wasserbauingenieure oder Städteplaner weitergegeben. Die Handlungsempfehlungen werden in enger Zusammenarbeit mit den betroffenen Akteuren und mit Blick auf deren Bedürfnisse entwickelt, um die praktische Relevanz der Vorschläge sicherzustellen. Die Ergebnisse des KLIFF-Programms fließen direkt in die Niedersächsische Anpassungsstrategie an den Klimawandel ein. Die Koordination von KLIFF liegt bei der Sektion Waldökosystemforschung des Zentrums für Biodiversität und nachhaltige Landnutzung der Universität Göttingen.
Bioenergie
Land verlängert Förderung
für Forschungsprojekt
„Akzeptanz stößt an Grenzen“
pug — Das Land Niedersachsen hat die Förderung für ein Forschungsprojekt zum Thema Bioenergie an der Universität Göttingen um zwei weitere Jahre verlängert. Die Fördersumme des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur beträgt insgesamt 1,6 Millionen Euro. Der seit Anfang 2009 laufende Forschungsverbund „Nachhaltige Nutzung von Energie aus Biomasse im Spannungsfeld von Klimaschutz, Landschaft und Gesellschaft“ ist am Interdisziplinären Zentrum für Nachhaltige Entwicklung (IZNE) der Universität angesiedelt.
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Prof. Dr. Hans Ruppert Foto: Universität |
„Vor dem Hintergrund der Energiewende wird die Bioenergie in den kommenden Jahren eine zunehmend wichtige und größere Rolle spielen“, erläutert Prof. Dr. Hans Ruppert, Leiter des Forschungsverbundes und Direktor des IZNE. Die Wissenschaftler wollen in der zweiten Förderphase ihre bisherigen Forschungsergebnisse in die Praxis umsetzen und in drei ausgewählten Modellregionen anwenden. Allerdings: „Die Akzeptanz von Bioenergie in der Bevölkerung stößt mittlerweile an ihre Grenzen“, so Prof. Ruppert. „Der Anbau von Energiepflanzen wird aus Sicht des Naturschutzes und der Nahrungsmittelproduktion immer wieder als problematisch dargestellt. Wir nehmen diese Akzeptanzprobleme sehr ernst und suchen weiterhin den Dialog mit allen Akteuren, um gemeinsam lokale und regionale Konzepte zu entwickeln.“ Die Wissenschaftler haben in den vergangenen drei Jahren Anbau- und Nutzungskonzepte erarbeitet, die vom örtlichen Entscheidungsträger bis zur Gesetzgebung auf EU-Ebene und von der Planung bis zur Ausführung hin eine ausgewogene Verankerung von Bioenergie in der jeweiligen Region ermöglichen. Diese Konzepte sollen in den kommenden zwei Jahren exemplarisch in den Landkreisen Goslar und Wolfenbüttel sowie in der Region Hannover in die Praxis umgesetzt und getestet werden.
Die wissenschaftlichen Ergebnisse des Forschungsverbundes werden auf den jeweiligen Anwender bezogen aufbereitet und „übersetzt“. Damit ist gewährleistet, dass das Gesamtkonzept auch in anderen Landkreisen angewendet werden kann. Ziel des Projekts ist ein regionales Qualitätssicherungssystem für die Nutzung von Bioenergie, welches die nationalen Ziele zur nachhaltigen Erzeugung von Bioenergie flankiert. Die Wissenschaftler des Forschungsverbundes stellen ihre bisherigen Ergebnisse am 24. und 25. Januar 2012 auf einer Fachtagung an der Universität Göttingen vor.
Geowissenschaften
Algen heute stärker verbreitet
als im Präkambrium
pug — Algen gibt es seit mehr als 1,5 Milliarden Jahren auf der Erde, doch über ihre Verbreitung in den erdgeschichtlich frühen Ozeanen ist bislang nur wenig bekannt. Wissenschaftler der Universität Göttingen und der amerikanischen University of Tennessee in Knoxville haben nun herausgefunden, dass die Organismen in ihrer heutigen Form entgegen bisheriger Annahmen zu Beginn ihrer Existenz wohl nur wenig verbreitet waren: In den sauerstoff- und nährstoffarmen Gewässern der damaligen Zeit waren sie den besser angepassten Bakterien unterlegen.
Anhand von Gesteinsablagerungen aus dem Taoudeni-Becken in Mauretanien lieferten die Wissenschaftler erstmals eine detaillierte Beschreibung eines 1,1 Milliarden Jahre alten Lebensraums. Sie untersuchten die gut erhaltenen Meeressedimente auf sogenannte Biomarker hin, die Rückschlüsse auf die Produzenten des organischen Materials ermöglichen. Dabei wiesen sie unter anderem die Existenz von Cyanobakterien und sehr einfachen Vorläufern der Algen nach, die in der Lage waren, in den vergleichsweise sauerstoffarmen Gewässern der damaligen Zeit zu überleben. „Entgegen der weitverbreiteten Meinung zeigen unsere Ergebnisse, dass Algen, wie wir sie aus heutigen Ozeanen kennen, damals noch keine große Rolle gespielt haben“, erläutert der Göttinger Geobiologe Dr. Martin Blumenberg, der die Studie leitete. „Im Vergleich zu modernen, komplizierter aufgebauten Algen waren einfachere Organismen deutlich besser an die damals vorherrschenden Nährstoffbeschränkungen angepasst.“
Die Forscher fanden heraus, dass die untersuchten Organismen vor allem in flachem Wasser Ablagerungen bildeten. Dort ermöglichten ein höherer Nährstoffgehalt und Licht das Wachstum von Bakterienmatten am Meeresboden. In tieferen Bereichen der Ozeane konnten diese Lebensformen, wie sie heute in ähnlicher Form auch in Lagunen im Pazifik zu finden sind, nicht existieren. „Die damaligen Organismen waren außerdem erstaunlich produktiv“, erklärt Prof. Dr. Joachim Reitner, Koordinator des Courant Forschungszentrums Geobiologie der Universität Göttingen. „Durch ihr Wachstum lagerten sich Gesteine ab, die bis zu 30 Prozent aus den organischen Resten dieser Mikroorganismen bestehen.“
Ideenwettbewerb
Uni prämiert Vorschläge für
bessere Lehr- und Lernkultur
pug — Aus über 50 Vorschlägen hat die Universität Göttingen die diesjährigen Preisträger ihres Ideenwettbewerbs für Studierende gekürt. Unter dem Motto „Innovativ Lernen – Neugierig Forschen – Ideen für eine bessere Lehr- und Lernkultur“ haben Studierende ihre Ideen und Wünsche eingesandt. „Die zahlreichen innovativen Ideen zeigen das hohe kreative Potenzial der Studierenden und machen den Ideenwettbewerb zu einer wichtigen Quelle für Verbesserungen in der Lehre“, so Vizepräsident Prof. Dr. Wolfgang Lücke, Schirmherr des Ideenwettbewerbs. Insgesamt sechs Vorschläge wurden prämiert, die besten drei erhielten Geldpreise.
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Die Preisträger: Jessica Poschen, Johann-Friedrich Fleisch, Konstantin Brand
Foto: Universität |
Den mit 1.000 Euro dotierten 1. Platz erhielt Jessica Poschen für den Vorschlag „Free Regional Research – mit wachem Forscherblick Naheliegendes entdecken“. Sie plädiert dafür, Studierenden eigenständige Forschungsarbeiten mit regionalem Bezug zu ermöglichen und dafür im Rahmen ihres Studiums Credits zu erhalten. Die Projekte sollen zwar von Dozenten betreut, jedoch möglichst eigenverantwortlich geplant und durchgeführt sowie zum Abschluss einem regionalem Publikum präsentiert werden. „So können die Studierenden neben den wissenschaftlichen Fähigkeiten auch ihre organisatorischen und sozialen Fertigkeiten schulen“, erläutert Jessica Poschen.
Der zweite Preis und mit ihm 750 Euro gingen an Johann-Friedrich Fleisch, der einen Rhetorik- und Debattierwettbewerbs vorgeschlagen hat. In der sogenannten „Teacher‘s Corner“ sollen Redner mit kurzen Beiträgen gegeneinander antreten. Dabei sollen sowohl Studierende als auch Lehrende als Redner gefragt sein. Im Wettbewerb können sie – ähnlich wie in einem Science Slam – nicht nur mit fachlichem Wissen punkten, sondern auch mit didaktischen und rhetorischen Fertigkeiten. 500 Euro erhielt der Drittplatzierte Konstantin Brand für die Idee, „Metastudiengänge“ einzuführen. Diese sollen das fächerübergreifende Studium innerhalb eines Wissenschaftszweigs ermöglichen und mehr Freiheiten bei der Spezialisierung und Schwerpunktbildung innerhalb des Studiums mit sich bringen.
Der Ideenwettbewerb für Studierende wird einmal jährlich unter einem wechselnden Motto ausgeschrieben. Er wird von der Beauftragten für Studienqualität, Meike Gottschlich, organisiert.
→ www.uni-goettingen.de/ideenwettbewerb
Gender Studies
Wissenschaftskarrieren
und Geschlecht
pug — „Wissenschaftskarrieren und Geschlecht. Fallstudien zu Frankreich – Deutschland – Österreich“ heißt der Titel eines Forschungsprojekts an der Sozialwissenschaftlichen Fakultät, das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert wird. Eingeworben wurde das Projekt von der Soziologin PD Dr. Ilse Costas vom Institut für Soziologie der Universität. Im Rahmen eines „Paketantrags“ von Wissenschaftlerinnen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz wird untersucht, wie sich die Konstitution von Wissenschaftskarrieren und Geschlecht durch die Umstellung von Hochschulen und Forschungseinrichtungen auf unternehmerische Steuerungsformen seit dem Jahr 2000 verändert hat. Das Gesamtprojekt wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft, dem österreichischen Fonds zu Förderung der wissenschaftlichen Forschung und dem Schweizerischen Nationalfonds gefördert.
Ziel des Forschungsvorhabens ist es zu untersuchen, in welcher Weise sich durch die neuen Lenkungsformen und Steuerungsmechanismen an Hochschulen und Forschungseinrichtungen die Karrierebedingungen von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern verändern. Dabei wird kritisch hinterfragt, ob und wie die zunächst objektiv erscheinenden Leistungskriterien neue geschlechtsspezifische Anpassungsprozesse mit sich bringen – zum Beispiel weil der intensivere Wettbewerb um Forschungszeit, Forschungsmittel und Stellen zu einer Kultur der überlangen Arbeitszeit und zu unerbittlichem Konkurrenzverhalten führen.
Costas untersucht dabei die Wissenschaftssysteme und Geschlechterarrangements in Frankreich und Deutschland im Vergleich. In Frankreich findet derzeit durch Vermarktlichungsstrategien und unternehmerische Steuerungsformen eine viel weitergehende Umstrukturierung der Forschungsbedingungen statt als in Deutschland. Bisher wurde ein großer Teil der Forschung außerhalb der Universitäten in Forschungsinstituten durchgeführt, wo Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vorwiegend auf festen Stellen beschäftigt sind. Doch unter dem Druck der internationalen Ratings mit vergleichsweise schlechten Werten für die französischen Universitäten wird die Forschung nun stärker in die Universitäten integriert. Finanziert wird die Forschung auf der Basis von eingeworbenen Drittmitteln, die jeweils nur für eine relativ geringe Zeitspanne bewilligt werden. Dies entspricht dem deutschen Vorbild der zeitlich befristeten Projektförderung auf befristeten Stellen. Ilse Costas will nun untersuchen, ob der vergleichsweise hohe Anteil an Wissenschaftlerinnen in den bisherigen französischen Forschungsinstituten weiterhin gleich hoch bleibt oder ob sich neue, geschlechtsspezifische Verteilungen zu Ungunsten von Frauen etablieren und die französische Wissenschaft sich den stärker männlich geprägten Verhältnissen in Deutschland anpasst.
Dabei stellt sich die Frage, welche Bedeutung das Prinzip der fortlaufenden Befristung von Stellen in zeitlicher und örtlicher Hinsicht für die Karriereentwicklung von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern hat. Auf der Ebene der Karrierebedingungen und der Personalstruktur einerseits sowie des akademischen Arbeitsmarkts andererseits soll für die deutsche Forschungslandschaft auch untersucht werden, welche geschlechtsspezifischen Effekte die wettbewerbsverschärfende und differenzierende Maßnahme der Exzellenzinitiative hat, die anderen Ländern wie Österreich und Frankreich als Vorbild dient.
Mikroskopie
Deutschlandweit einzigartiges
Gerät
in Göttinger Zoologie
pug — An der Universität Göttingen ist das deutschlandweit erste Elektronenmikroskop (FEI Quanta 250 FEG) mit einem integrierten Ultramikrotom für die Untersuchung kleinster Tiere und Gewebeproben in Betrieb genommen worden. Es deckt das Leistungsspektrum herkömmlicher elektronenmikroskopischer Verfahren ab und bietet zusätzlich die Möglichkeit, Proben von Zellgröße bis ins kleinste Detail hinein dreidimensional darzustellen. Das neue Elektronenmikroskop soll insbesondere dazu dienen, neue Erkenntnisse zur Evolution und den Verwandtschaftsbeziehungen der Organismen zu gewinnen.
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Vorderende (links) und Hinterende einer Schmeißfliegenlarve im Detail Foto: Univ. |
Das aus Mitteln von Bund und Land finanzierte Gerät im Wert von mehr als einer halben Million Euro befindet sich am Johann-Friedrich-Blumenbach-Institut für Zoologie und Anthropologie in der Abteilung Morphologie und Systematik. Das in das Mikroskop einsetzbare Mikrotom, eine Art ultrafeiner Gurkenhobel, ist eine Miniaturversion der sonst üblichen Geräte zur Anfertigung feinster Schnittserien. Es schneidet in Kunstharz eingebettete Objekte vollautomatisch in Scheiben von 200 bis 20 Nanometer (Millionstel Millimeter) „Dicke“. Nach jedem Schnitt wird ein Bild angefertigt. Das Ergebnis ist ein gleichmäßiger Bildstapel, aus dem das untersuchte Objekt dreidimensional dargestellt werden kann. Die bisher übliche Prozedur war sehr langwierig und fehleranfällig.
„Solche Probleme gehören bei einem reibungslosen Betrieb des neuen Geräts der Vergangenheit an“, erklärt Dr. Rebecca Klug von der Abteilung Morphologie und Systematik. „Das Elektronenmikroskop eröffnet völlig neue Möglichkeiten für die Ultrastrukturforschung an biologischen Objekten. Innerhalb weniger Stunden erhalten wir künftig eine ideale Schnittserie, die dann mit einem 3D-Computerprogramm weiter verarbeitet werden kann.“ Aus den Bildern, die das Gerät liefert, können virtuelle dreidimensionale Modelle zum Beispiel von Zellen und ihren Organellen produziert oder die komplexe Anatomie kleinster Tiere eins zu eins vom Originalobjekt ausgehend dargestellt werden. Zusätzlich bietet das Elektronenmikroskop die Möglichkeit, Objekte auch unter schwachem Vakuum zu untersuchen. Diese Methode ist weit schonender als die sonst übliche Beobachtung im Hochvakuum – so wird beispielsweise eine unproblematische Untersuchung getrockneter unbehandelter und unersetzlicher Museumsobjekte machbar. Molekulare Datensätze können nun mit neuesten morphologischen Erkenntnissen zur Ermittlung der Stammesgeschichte verknüpft werden.
Raumfahrt
Antriebstest
eines
Experimental-Raumfahrzeuges
Forscher des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in einem der europaweit bedeutendsten Hyperschallwindkanäle in Göttingen nach. Sie testen den Antrieb des australischen Experimental-Raumfahrzeuges Scramspace 1, das 2013 starten soll.
Dabei handelt es sich um einen so genannten Scramjet (Supersonic Combustion Ramjet – Staustrahltriebwerk mit Überschallverbrennung). Das ist ein Triebwerk, das Hyperschallflüge bis Mach 15 ermöglichen soll. Im Gegensatz zu normalen Düsentriebwerken gibt es keine beweglichen Teile. Dafür muss ein Scramjet erst auf Hyperschallgeschwindigkeit beschleunigt werden, um zu funktionieren. Australien gilt als eines der führenden Länder in der Erforschung der Scramjet-Technologie. In einem Flugversuch wurde dort 2002 erstmals die Funktionsfähigkeit einer Scramjet-Brennkammer nachgewiesen. Bereits damals war das DLR beteiligt.
Für Tests des kompletten Scramjet-Antriebs mit Einlauf, Brennkammer und Düse sind spezielle Testanlagen notwendig. Eine davon ist der Hochenthalpiekanal Göttingen (HEG), in dem die aktuellen Versuche durchgeführt werden. „Der HEG ist eine der größten und führenden Anlagen der Hyperschallforschung. In ihm können größere Modelle als in Australien untersucht werden“, so Boyce. In dem 62 Meter langen Windkanal verdichtet zunächst ein Kolben ein Treibgas wie in einer riesigen Luftpumpe. Nach dem Platzen einer Stahlmembran komprimiert und heizt eine starke Stoßwelle ein Testgas, bevor es in einer Windkanaldüse auf 8.800 Stundenkilometer beschleunigt wird. Dann strömt das Gas um das Modell. „Dieses Szenario simuliert den Flug des Raumfahrzeuges in einer Höhe von etwa 30 Kilometern“, sagt Dr. Klaus Hannemann, Leiter der Abteilung Raumfahrzeuge im DLR-Institut für Aerodynamik und Strömungstechnik in Göttingen. Die Forscher interessieren dabei die komplexen aerothermodynamischen Vorgänge im Scramjet. Wie muss der Treibstoff eingespritzt werden? Wie kann die Verbrennung verbessert werden? Außerdem wird untersucht, ob sich die physikalisch-chemischen Bedingungen auf ein größeres Triebwerk übertragen lassen. Nur deutlich größere Scramjets könnten einst einen Einsatz in der Raumfahrt sinnvoll erscheinen lassen.
Biophysik
Neues aus der Enzymforschung
pug — Bestimmte Enzyme, die bei der Zellteilung für den Transport von Chromosomen zuständig sind, können sowohl ihre Geschwindigkeit als auch ihre Laufrichtung ändern. Das haben Wissenschaftler des DFG-Forschungszentrums und Exzellenzclusters „Molekularphysiologie des Gehirns“ an der Universität Göttingen sowie der Ben-Gurion-Universität des Negev in Israel herausgefunden. Die Forscher widerlegten damit die bisherige Annahme, dass jedes dieser sogenannten Motorproteine auf eine bestimmte Laufrichtung vorprogrammiert sei. Die neuen Erkenntnisse lassen die Nanometer-großen „Bio“-Maschinen weit leistungsfähiger und vielseitiger erscheinen als bislang vermutet.
Die Zellteilung ist ein zentraler Vorgang bei der Entwicklung von Organismen. Während der „normalen“ Zellteilung werden die zuvor verdoppelten Chromosomen der Mutterzelle auf die Tochterzellen verteilt. Dieser genau regulierte Prozess wird angetrieben durch spezialisierte Enzyme. Bisher glaubte man, dass diese Motorproteine fest programmiert sind und sich auf molekularen Schienen nur in eine bestimmte Laufrichtung bewegen können – wobei ein Typ von Motor eine Bewegung in Richtung der Zellränder erzeugt, ein anderer in Richtung Zellmitte. In Bierhefezellen konnten die Wissenschaftler nun nachweisen, dass ein und derselbe Zellteilungsmotor sowohl in die eine als auch in die andere Richtung laufen kann, in Richtung der Zellränder sogar bis zu zehn Mal schneller als andere bekannte Mitglieder dieser Enzym-Familie. Die Forscher in Göttingen und Israel nutzten bei ihrer Arbeit hochauflösende Fluoreszenzmikroskopie, mit der sie einzelne Moleküle sowohl in den Hefezellen als auch in einer künstlichen Umgebung beobachten konnten.
„Ein detailliertes Verständnis biologischer Motoren während der Zellteilung ist wichtig sowohl für die elementare Zellbiologie als auch für die Krebsforschung und für die biologisch inspirierte Nanotechnologie“, erläutert Prof. Dr. Christoph Schmidt vom III. Physikalischen Institut der Universität Göttingen. „Ein besonders interessanter Aspekt unserer Ergebnisse ist die Tatsache, dass die bi-polaren Motoren genau in dem Moment in den langsamen Vorwärtsgang schalten, in dem sie helfen, die Chromosomen auseinander zu schieben.“
Agrarökologie
Natürlichen Feinden von
Blattläusen auf der Spur
pug — Getreideblattläuse können in Getreidefeldern großen Schaden anrichten und erhebliche Ertragsausfälle verursachen. Doch die Blattläuse haben zahlreiche natürliche Feinde, die ihre Vermehrung begrenzen. Agrarökologen der Universität Göttingen haben nun in einer europaweiten Studie experimentell untersucht, wie die Gegenspieler der Blattläuse wirken. Sie fanden heraus, dass die Blattlausdichte ohne natürliche Feinde dreimal höher ist.
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Florfliegenlarve mit Blattlaus Foto: Eric Steinert |
Zu den weit mehr als hundert Arten und hunderttausenden Individuen, die in einem Hektar Getreide als natürliche Gegenspieler der Blattläuse auftreten, zählen unter anderem Schwebfliegen, Marienkäfer und parasitische Wespen, die in der Vegetation nach Beute suchen. Dazu kommen Käfer und Spinnen, die am Boden auf herunterfallende Blattläuse warten. Mit Hilfe von Experimenten in fünf europäischen Regionen fanden die Wissenschaftler heraus, dass die Blattlausdichte um rund ein Drittel steigt, wenn die am Boden lebenden Gegenspieler ausgeschlossen werden. Bei Ausschluss der in der Vegetation lebenden Räuber verdoppelt sich der Blattlausbefall und bei Ausschluss beider Gruppen gibt es sogar eine Verdreifachung. Diese Ergebnisse machen deutlich, dass die einzelnen Gegenspielergruppen sich nicht nur in ihrer Wirkung ergänzen, sondern sogar voneinander profitieren. Offenbar verursachen die Räuber in der Vegetation ein Herabfallen der Blattläuse und versorgen so die am Boden lebenden Feinde zusätzlich mit Beute.
Die Studie zeigt, dass die relative Bedeutung der Gegenspielerarten und -gruppen und die Effizienz der Schädlingskontrolle je nach Region sehr unterschiedlich ausfallen kann. Dass unter veränderten Umweltbedingungen jeweils andere Gegenspieler bei der natürlichen Blattlausbekämpfung besonders wichtig werden, unterstreicht zudem die Bedeutung einer großen Artenzahl – gerade in Zeiten des globalen Wandelns.
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