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Händel-Festspiele Göttingen
Gemischte BilanzWeitere Informationen

Samuel-Bogumił-Linde-Preis 2018
Preisträger: Małgorzata Szejnert
und Navid Kermani
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Göttinger Elch
Dieses Jahr an
Pit Knorr und Wiglaf Droste
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Göttinger Kultursommer
Bunte MischungWeitere Informationen

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PC Schule Göttingen

 

Händel-Festspiele Göttingen
Gemischte Bilanz
Rund 14.000 Gäste (2017: 19.000) aus aller Welt besuchten die 75 Veranstaltungen zwischen dem 10. und 21. Mai in Göttingen und der Region, davon 4.000 (2017: 6.000) bei kostenlosen und Kooperationsveranstaltungen. Allein die Festspieloper „Arminio“, inszeniert vom Schweizer Regisseur Erich Sidler und unter der Musikalischen Leitung des Künstlerischen Leiters der Festspiele, Laurence Cummings, lockte mit sechs Vorstellungen sowie der Familienfassung über knapp 4.000 Besucher ins Deutsche Theater Göttingen und zum Public Viewing in die Lokhalle Göttingen. Für die Opernaufführungen im Deutschen Theater Göttingen bedeutet dies eine Auslastung von 90%. Mit 7.000 Karten weniger im Verkauf als im Vorjahr (2018: ca. 12.000, 2017: knapp 19.000) lagen die Festspiele mit knapp 10.000 verkauften Karten (2017: 13.000) planmäßig unter den Zahlen der Vorjahre, was an einer bewusst reduzierten Anzahl der Veranstaltungen bzw. der Wahl der Spielstätten liegt. Die Gesamtauslastung der Festspiele liegt bei 84%, was einer Steigerung von 14 Prozentpunkten gegenüber dem letzten Jahr entspricht.
Händel-Festspiele
Foto: Alciro Theodoro da Silva

Der Geschäftsführende Intendant Tobias Wolff erklärt dazu: „Das vorige Jahr hat uns organisatorisch und finanziell an unsere Grenzen geführt. Der betriebene Mehraufwand hatte nicht zu einer proportionalen Steigerung von Besucherzahlen oder Einnahmen geführt, deswegen haben wir uns in diesem Jahr sowohl bei der Zahl der Veranstaltungen als auch bei der Anzahl der angebotenen Plätze stark auf unseren Kernbereich fokussiert.“ Gleichwohl sei das Konzept aufgegangen, die Zahlen würden dies untermauern.
Ohne die Stadthalle Göttingen, von der sich die Festspiele mit einem Konzert des NDR Chors am vorletzten Festspieltag für die Sanierungszeit verabschiedeten, werden die Festspiele vermehrt auf andere Konzertsäle und Kirchen in Göttingen und der Region ausweichen, so Wolff. „Für die nächsten Jahre gehen wir von niedrigeren Besucherzahlen aus, schlicht weil mit der Stadthalle Göttingen unsere größte – und nicht gleichwertig ersetzbare – Spielstätte wegfällt.“
2019 finden die Festspiele vom 17.–26. Mai – und damit vor Himmelfahrt – statt. Zu den geplanten Programmpunkten zählt u.a. die Premiere von Rodrigo (HWV 5).

Torhaus-Galerie
Programm 2018
Nach einem erfolgreichen Jahr mit den unterschiedlichen Ausstellungen und Veranstaltungen startet die Torhaus-Galerie bereits am Freitag, 09. Februar, ihr Programm 2018. Den Anfang macht der Künstler Berthold Grzywatz mit der Ausstellung „Skulptur und fotografische Imagination“, die bis zum 18. März läuft.
Am Sonnabend, 24. Februar, stellt der ehemalige Göttinger Lokaljournalist und jetzige Journalismus-Dozent Jochen Reiss sein Buch „111 Orte in und um Göttingen, die man gesehen haben muss“ vor und erinnert dabei an vergessene oder weniger bekannte Plätze.
Einen interessanten Musik-Mix aus verschiedenen Epochen und Kulturen präsentieren die Sängerin Hanna Carlson und ihre Begleitung bei einem Jazz-Konzert am Sonntag, 18. März, anlässlich der Finissage der Grzywatz-Ausstellung.
„terra incognita“ ist die zweite Ausstellung betitelt, die Werke von Gabriele Schaffartzik und Alexander Lakhno zeigt und vom 20. April bis zum 27. Mai in der Torhaus-Galerie zu sehen ist. Großformatige Bilder und Holzskulpturen sowie Kleinplastiken stehen sich hier in einem eindrucksvollen Dialog gegenüber.
Sabine Prilop, Autorin einer Reihe von Veröffentlichungen, in denen Göttingen eine wichtige Rolle spielt, liest am Sonntag, 6. Mai, aus ihrer Novelle „Die Erdbeerfrau“.
Einen „Lazy sunday afternoon“ gestalten die „New Orleans Syncopators“ am Sonntag, 27. Mai, auf dem historischen Stadtfriedhof. Der musikalische Rundgang mit den beliebten Musikern beginnt am Nobelpreisträger-Rondell und endet mit einem Konzert an der Galerie.
Unter dem Titel „Einer geht noch“ wird in Kooperation mit der Caricatura Kassel ab Freitag, 10. August, eine Ausstellung mit Werken zahlreicher bekannter Cartoonisten gezeigt. Sie alle beschäftigen sich mit dem Thema „Tod“ und folgen dem Motto: Sobald man über etwas lachen kann, verliert es Stück für Stück seinen Schrecken. Auch der geniale Grafiker Johannes Eidt nimmt auf die Endlichkeit des Menschen Bezug. „Du kommst aus dieser Welt nicht lebend heraus“ heißt sein Liederabend am Sonntag, 26. August, an dem er schräg anmutende, skurrile Texte vorträgt und sich selbst auf der Gitarre begleitet. Der dritte im Bunde ist Stephan Franke mit seinem Programm „Ruhe sanft“, das die Torhaus-Galerie am Sonntag, 9. September, ihrem Publikum präsentiert. Unter dem Motto „Da hat Verdrängung keine Chance“ wird Freunden des schwarzen Humors seriöses Trauerkabarett zur lustvollen Schicksalsbewältigung geboten.
Malerei auf Leinwand und Papier zu den Themen Zeit, Erinnern, Vergängliches zeigt die Künstlerin Leena Krüger in der Ausstellung „Früher war alles viel größer“, die am Freitag, 2. November, eröffnet wird. Einen fulminanten Ohrenschmaus erwartet die Gäste am Sonntag, 11. November, bei dem Jazzkonzert „take two“, wenn Joe Pentzlin und Gregor Kilian an zwei Klavieren in die Tasten greifen und ihre überzeugende Professionalität einmal mehr unter Beweis stellen.
Zum Jahresende 2018 bringt die temperamentvolle Sängerin Heidi Köpp bei ihrem Liederabend „Christmas with you“ alle Facetten zwischen Klassik und Pop zum Klingen.
Das Programm der Torhaus-Galerie für das Jahr 2018 liegt in zahlreichen Geschäften und Kulturinstitutionen aus, kann auch per E-Mail (friedhoefe@goettingen.de) oder telefonisch unter Tel. 400-5216 angefordert werden. Zudem ist es unter www.goettingen.de/torhausgalerie sowie www.goettinger-verschoenerungsverein.de im Internet zu finden.


Samuel-Bogumił-Linde-Preis 2018
Preisträger: Małgorzata Szejnert und Navid Kermani

Der von den beiden Partnerstädten Toruń in Polen und Göttingen gemeinsam gestiftete und zum 23. Mal vergebene Samuel-Bogumił-Lnde-Literaturpreis geht für das Jahr 2018 an die polnische Journalistin und Schriftstellerin Małgorzata Szejnert und an den deutsch-iranischen Schriftsteller, Publizisten und Orientalisten Navid Kermani. Der Preis wird anlässlich des 40-jährigen Jubiläums der Städtepartnerschaft am 3. Juni um 11 Uhr im Deutschen Theater Göttingen in Anwesenheit beider Preisträgerinnen sowie einer Delegation aus Göttingens Partnerstadt Toruń verliehen. Als Laudator für Navid Kermani hat Bundespräsident a.D. Joachim Gauck sein Kommen zugesagt. Die Laudatio auf Małgorzata Szejnert wird Adam Michnik, Bürgerrechtler, Oppositioneller, Mitbegründer und führender Kopf der Gewerkschaftsbewegung Solidarnosc und Chefredakteur der angesehenen Warschauer Tageszeitung Gazeta Wyborcza halten.

Małgorzata Szejnert:
Małgorzata SzejnertDie Journalistin und Schriftstellerin wurde 1936 in Warschau geboren. 1972 debütierte sie mit einem Buch über polnische Emigranten in Amerika. 1980 schrieb sie in Stettin im Streik-Bulletin, der späteren Zeitung der Gewerkschaft Solidarność in Vorpommern. Nach Verhängung des Kriegsrechtes 1981 arbeitete sie für oppositionelle Zeitungen und veröffentlichte mit Tomasz Zalewski als ersten Band des Solidarność-Archivs ein Buch über die rebellische Küstenregion Szczecin. 1984 verlässt sie Polen und arbeitet bei einer polnischen Tageszeitung in New York. Nach ihrer Rückkehr gehört sie zu den Mitbegründern der Gazeta Wyborcza. Dort leitet sie fast 15 Jahre lang das Reportage-Ressort und wirkt als Beraterin und Mentorin der bekanntesten polnischen Journalisten der jüngeren Generation. Sie verabschiedet sich von schnelllebigen Reportagen, um sich ihren historischen Recherchen und Veröffentlichungen widmen zu können. 2007 erscheint ihr mit dem Cogito-Preis, der höchsten polnischen Literaturauszeichnung, prämiertes Buch über die oberschlesischen Bergarbeitersiedlungen „Der schwarze Garten". 2010 veröffentlicht sie ihre hochgelobte Studie über Ellis Island und die polnische Emigration in die USA, 2013 eine Reportagensammlung über das Polen der 1970er Jahre.

Navid Kermani:
Navid KermaniDer deutsch-iranische Schriftsteller, Publizist und Orientalist ist eine der wichtigsten Stimmen in unserer Gesellschaft, der sich den Erfahrungswelten von Menschen unterschiedlichster nationaler und religiöser Herkunft stellt, um ein friedliches, an den Menschenrechten orientiertes Zusammenleben zu ermöglichen. Seine wissenschaftlichen Arbeiten, in denen er Fragen der Mystik, der Ästhetik und der Theodizee insbesondere im Raum des Islam nachgeht, weisen Navid Kermani als Autor aus, der mit großer Sachkenntnis in die theologischen und gesellschaftlichen Diskurse einzugreifen vermag.

Seit 1978 besteht die Partnerschaft zwischen den Städten Göttingen und Toruń. Als ein gemeinsames kulturelles Projekt wurde vor 20 Jahren der nach dem polnischen Sprachforscher Samuel Bogumił Linde (1771–1847) benannte Preis ins Leben gerufen. Mit ihm werden Autor/innen ausgezeichnet, deren Wort Ideale und Werte schafft, die Menschen, Gesellschaften und Nationen zum gemeinsamen Gespräch führen. Der Preis wird Autor/innen zuerkannt, die auf den Feldern Lyrik, Prosa, Drama, Essayistik im umfassenden Sinn, Literaturkritik, Publizistik, Übersetzung und Edition Hervorragendes geleistet haben. Der Linde-Preis wird auf Vorschlag einer von beiden Partnerstädten berufenen gemeinsamen Jury im jährlichen Wechsel in Toruń und Göttingen an eine/n polnische/n und eine/n deutsche/n Autor/in vergeben und ist mit jeweils 5.000 Euro (ca. 20.900 Złoty) dotiert.
 

Seine Romane und Essays, insbesondere aber auch seine Reportagen aus Krisengebieten zeigen, wie sehr sich Kermani der Würde des einzelnen Menschen und dem Respekt für die verschiedenen Kulturen und Religionen verpflichtet weiß, und wie sehr er sich für eine offene europäische Gesellschaft einsetzt, die Flüchtlingen Schutz bietet und der Menschlichkeit Raum gibt.

Kermani wurde 1967 in Siegen als vierter Sohn iranischer Eltern geboren. Bereits mit fünfzehn Jahren beginnt er regelmäßig für die Westfälische Rundschau zu schreiben. Nach dem Abitur und einer Hospitanz bei Roberto Ciulli am Theater an der Ruhr in Mülheim studiert er in Köln, Kairo und Bonn Islamwissenschaften, Philosophie und Theaterwissenschaft.

Mit seiner Dissertation „Gott ist schön. Das ästhetische Erleben des Koran" (1999) sorgt er gleichermaßen in den deutschsprachigen Feuilletons wie in der internationalen Fachpresse für Aufmerksamkeit. 2005 habilitiert er sich im Fach Orientalistik an der Bonner Universität. Kermani lebt mit seiner Familie als freier Schriftsteller in Köln. Neben seiner schriftstellerischen Tätigkeit veröffentlicht Kermani in der Folgezeit regelmäßig Beiträge, Reportagen und Kunstbetrachtungen in den großen deutschsprachigen Zeitungen sowie im Spiegel.

Für sein literarisches und akademisches Werk hat Navid Kermani zahlreiche Stipendien und Auszeichnungen erhalten, u.a. 2015 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels, 2012 den Heinrich-von-Kleist-Preis, 2009 den Hessischen Kulturpreis. In seiner vielzitierten Rede anlässlich der Verkündung des Grundgesetzes vor 65 Jahren, die Kermani im Mai 2014 im Deutschen Bundestag hielt, analysierte er emphatisch die Sprache des Grundgesetzes und dessen normative Kraft.

 

Göttinger Elch
Dieses Jahr an Pit Knorr und Wiglaf Droste
Verleihung am 24. Juni

pdg — Der Satirepreis Göttinger Elch geht in diesem Jahr gleich an zwei Künstler. Die Jury hat in weiser Voraussicht auf die Bedürftigkeit des Landes zum satirischen Doppelschlag ausgeholt und als Preisträger Pit Knorr und Wiglaf Droste nominiert. Warum? Weil die Jury es kann und so entschied. Und weil sich so diese unschöne Lücke in der ELCH-Jahreszählung formidabel schließen lässt: 1998 wurde bekanntlich kein ELCH vergeben, aber nun gibt’s 22 Elche in 22 Jahren.

Der Autor, Satiriker, Ermöglicher und Impulsgeber Pit Knorr wurde 1939 in Salzburg geboren, studierte in den 60ern in Heidelberg, wo er ab 1961 beim Kabarett „Das Bügelbrett“ mitwirkte. 1968-71 war er Redakteur, später „Textchef“ der Satire-Zeitschrift Pardon. 1971 als dann freier Schriftsteller mit Wohnsitz in Frankfurt a.M., gründete er die „Autoren Coop“ mit Wilhelm Genazino. 1972 produziert er als erste gemeinsame Radio-Comedy-Serie mit Robert Gernhardt „Dr.Seltsams Sonntagssortiment“, 1973 „Help – ein satirisches Aushilfsmagazin“. 1974 formiert sich die Autorengruppe GEK (Gernhardt/Eilert/Knorr), die in der Folge sämtliche Bühnen- und Fernsehshows, Bücher und Filme von Otto Waalkes verfasst. 1979 wird die Titanic – das endgültige Satiremagazin gegründet, Knorr ist Mitherausgeber und regelmäßiger Autor bis Anfang der Neunziger Jahre, sporadischer Autor bis heute. Allein und begleitet ist Pit Knorr bis heute unermüdlich in den Mehrzweckhallen des Landes unterwegs, um die Lehre der Neuen Frankfurter Schule zu verbreiten.

Knorr und Droste sind die 21. und 22. Elch-Preisträger. Ihre Vorgänger waren der Cartoonist Chlodwig Poth (1997), der Zeichner und Schriftsteller Robert Gernhardt (1999), der Kabarettist Gerhard Polt (2000), der Kolumnist und Übersetzer Harry Rowohlt (2001), die Karikaturistin Marie Marcks (2002), der Zeichner und Dichter F. W. Bernstein (2003), der Schweizer Kabarettist Emil Steinberger (2004), der Komiker Otto Waalkes (2005), der Zeichner Hans Traxler (2006), der Zeichner und Musiker Ernst Kahl (2007), die bayerischen Volksmusiker und Kabarettisten der Biermösl Blosn (2008), der Musiker, Schriftsteller und Filmemacher Helge Schneider (2009), der Komödiant und Musiker Olli Dittrich (2010), der österreichische Kabarettist Josef Hader (2011), die Karikaturistin und Autorin Franziska Becker (2012), der Maler Michael Sowa (2013), der Kabarettist Georg Schramm (2014), der Maler und Zeichner Rudi Hurzlmeier (2015), der Schriftsteller Max Goldt (2016) und der Maler und Zeichner Gerhard Glück (2017).
 

„Gepriesen sei der uneitle, blitzgescheite, der helle und schnelle Schreiber, der neue Frankfurter Schullehrer der schwarzen Humorpädagogik, der leidenschaftliche Teamarbeiter im Scherzbergwerk des Herrn, die Rampensau, die Jahr für Jahr mit Erna den Baum nadeln lässt, der neidlose Bewunderer, der unermüdliche Ideengeber, ja, Ideenerzwinger, der Anstosser, Impulsgeber, Türöffner, Antreiber und Bremser, der Komikgeburtshelfer Pit Knorr. Ein Elch von einem Mann, ein Mann für den Elch!“ (aus der Begründung der Jury)

Der Autor, Satiriker, Polemiker, Kulturkritiker, Dichter, Sänger, Rezitator, Kulinariker Wiglaf Droste, 1961 in Herford/Westfalen geboren, war Redakteur der taz und der Titanic und lebt heute als freier Schriftsteller in Leipzig oder unterwegs. Bis heute veröffentlichte er unzählige Bücher, Hörbücher, Musiktonträger, z.B. mit dem Spardosen-Terzett, sowie Artikel für Funk und Presse. Von 1999 bis 2013 gab er gemeinsam mit dem Stuttgarter Meisterkoch Vincent Klink die kulinarische Kampfschrift Häuptling Eigener Herd heraus. Seit Dezember 2010 schreibt er eine tägliche Kolumne in der überregionalen Tageszeitung Junge Welt, seit 2013 für das NZZ Folio. Für seine Arbeit wurde Droste 2003 mit dem Ben Witter-Preis, 2005 mit dem Annette von Droste-Hülshoff-Preis und 2013 mit dem Peter-Hille-Literaturpreis ausgezeichnet.

„Keiner versteht sich auf die formvollendete, gleichermaßen witzige und stilsichere Kunst der Attacke wie Wiglaf Droste. Keiner führt den schweren Säbel der heftigen Invektive und das elegante Florett der originellen Formulierung so treffsicher wie er. Wiglaf Droste hat das untrügliche Gespür für das Falsche im Leben und das Verlogene in Politik wie Kultur. … Wiglaf Droste ist der Kurt Tucholsky von heute und der Heinrich Heine unserer Tage. Mehr noch, ab sofort und für immer: ein Göttinger Elch!“ (Begründung der Jury)

Die Auszeichnung wird für ein satirisches Lebenswerk vergeben und ist mit 3.333 Euro und einer silbernen Elchbrosche dotiert. Die feierliche Verleihung, an der auch frühere Preisträger teilnehmen werden, findet am Sonntag, den 24. Juni um 11.00 Uhr im Deutschen Theater Göttingen statt. Göttingens Kultur- und Sozialdezernentin Petra Broistedt wird in Vertretung von Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler begrüßen, Lars Wätzold wie gewohnt moderieren. Der Elch-Preisträger des Vorjahres, Gerhard Glück, wird seinen Nachfolgern huldigen. Elch-Juror, Autor, Welt- und RND-Kolumnist und ehem. Titanic-Chefredakteur Hans Zippert wird die Laudatio auf den Frankfurter Satiriker, Autoren und Mitbegründer des Titanic-Magazins Pit Knorr halten. Der famose Friedrich Küppersbusch, Autor, taz-Kolumnist, Fernsehproduzent und Podcaster den unnachgiebig aneckenden Satiriker, Autoren, Sänger und Junge Welt-Kolumnisten Wiglaf Droste laudieren. Die Elch-Kürung wird Frank Wolff, Cello, und Markus Neumeyer, Piano, vom Neuen Frankfurter Schulorchester, dem Spitzenensemble der musikalischen Satire, umrahmt.

 

Göttinger Kultursommer
Bunte Mischung aus Kabarett, Literatur, Theater und Musik

Im Alten Rathaus
Matthias HabichDer großartige und charismatische Schauspieler Matthias Habich eröffnet die Alte-Rathaus-Reihe am 8. Juli um 20.oo Uhr mit der Lesung „Der Spieler“ von Fjodor Dostojewski. Es ist die Geschichte einer zerstörerischen Sucht, deren Gefahren Dostojewski nur zu gut kannte. Hoffnungslos gerät der Protagonist Aleksej Iwanowitsch immer tiefer in die Welt des Spiels und verliert im Rausch alles: seine große Liebe, sein Ansehen, die Kontrolle über sein Leben. Dostojewskis schuf mit „Der Spieler“ ein autobiografisch gefärbtes Meisterwerk – einen Klassiker der Weltliteratur, der an Aktualität nie verloren hat. Und eindrucksvoll schildert der vielfach ausgezeichnete Matthias Habich die menschlichen Abgründe des Aleksej Iwanowitsch.

Nessi Tausendschön, Arnulf Rating und Reiner Kröhnert geben sich beim „Ersten Göttinger Kabarettgipfel“ am 13. Juli um 20.30 Uhr die Ehre. Skurril-poetisches Musiktheaterkabarettvarieté trifft auf den Polittornado und großes Parodistenkino. Die Adelsdame der Unterhaltung, Nessi Tausendschön kommt in Begleitung von William Mackenzie an der Gitarre mit “Knietief im Paradies”. Und wenn Einmetersiebenundneunzig geballte Satire-Power auf die Großen der Weltgeschichte trifft, dann heißt es Bühne frei für Reiner Kröhnerts ultraschräges Politpanoptikum in „XXL“! Wer nicht fehlen darf, ist Arnulf Rating, einer der besten deutschsprachigen Spötterer unserer Zeit. Rating taucht ein in die Welt der Manipulation, rasant und geistreich, blitzgescheit und nie um eine Pointe verlegen. Eine Premiere für Göttingen.

August Zirner„Frankenstein“ – eine Theatralisch-Musikalische Lesung mit August Zirner und dem Spardosen-Terzett folgt am 22. Juli um 20.00 Uhr. Ein wahrer Klassiker neu erzählt, umrahmt von den Klangwelten des Spardosen Terzetts mit Rainer Lipski am E-Piano, Kai Struwe am E-Bass & Electronics, Mickey Neher am Schlagwerk sowie August Zirner an der Querflöte. Der Schauspieler und Grimme-Preisträger August Zirner erweckt den Kultroman von Mary Shelley zu einem zutiefst bewegenden neuen Leben. Im Fokus seiner von einem vibrierendem Soundtrack getragenen, inszenierten Lesung steht der vielversprechende Wissenschaftler Victor Frankenstein, der wie besessen daran arbeitet, eine künstliche menschliche Kreatur zu erschaffen. Eine Praline des Grauens.

Deutschlands bekanntester Finanzkabarettist Chin Meyer betrachtet am 29. Juli um 20.00 Uhr in seinem neuen Bühnenprogramm „Macht, Geld, Sexy“ das Instrumentarium der Mächtigen, die Machthaberei und was Macht mit uns macht. Dabei nimmt er nicht nur die allgegenwärtige Gier nach immer mehr Geld ins Visier, sondern auch den ausufernden Hunger nach Sexy-Selbstbestätigungs-Wohlfühl-Konsum. Mit Charme, Herz und fröhlicher Spontaneität beleuchtet der kabarettistische Finanzexperte, was gemeinhin hinter unseren Illusionen verborgen ist. Politisch immer auf der Höhe der Zeit, findet Chin Meyer die Absurditäten im System, stochert lustvoll darin herum und klärt auf.

Gleich Knallt’s„Gleich Knallt’s“ ist poetisches Musik-Theater-Kabarett mit Das Geld liegt auf der Fensterbank, Marie. Das Duo hat seine eigene Form des Kabaretts gefunden. Entwaffnend komische bis romantisch-melancholische, politisch-agitierende bis kalauernde versöhnliche junge Kleinkunst. Wenn sich das real-fiktive Liebespaar nicht gerade äußerst unterhaltsam verquatscht, singen und tanzen sie selbstkomponierte Lieder, spielen auf der Lichtorgel und führen eine Smartphonie auf. Sie sind beide fantastische Musiker, sie sind urkomische Komödianten und Situationskomiker, sie sind Sprachakrobaten und Vieldiskutierer und sie vollführen zusammen nicht zuletzt eine ganz wundervolle Parodie auf das junge Akademiker-Paar von heute. Loriot im 21. Jahrhundert. Am 5. August um 20.00 Uhr

Im Deutschen Theater
Wegen der großen Nachfrage präsentieren im diesjährigen Kultursommer Matthias Brandt und Jens Thomas nach 2013 noch einmal „Psycho – Fantasie über das kalte Entsetzen!“ am Samstag, 30. Juni, ab 20.00 Uhr im Deutschen Theater. Die Karten zu dieser Veranstaltung gehen weg wie warme Semmeln, die beiden könnten durchaus noch einen Zusatztermin füllen. Brandt interpretiert „Psycho“, dieses filmische Jahrhundertwerk von Alfred Hitchcock, gemeinsam mit dem Pianisten und Sänger Jens Thomas neu auf der Bühne. Er greift dabei auf Elemente aus der literarischen Vorlage zurück. Thomas, von der Süddeutschen Zeitung als „Jimi Hendrix des Flügels“ bezeichnet, improvisiert zu Brandts inszenierter Lesung einen Soundtrack. Dieser Abend ist nicht festgelegt und routiniert einstudiert, vielmehr lebt er von der intensiven, spontanen Interaktion zwischen beiden Akteuren und führt durch den Schrecken dieser Nacht.

Und mit dem neuesten Kabarett-Solo „Ausnahmezustand“ kommt Florian Schroeder nach dem Warm-up im Alten Rathaus ins Deutsche Theater. Termin ist Sonntag, 1. Juli, 20.00 Uhr. Das neue Programm von Florian Schroeder stellt in Zeiten ansteigender Hysterie die Fragen auf die es wirklich ankommt: Wie kommt das Böse in die Welt? Und wie kriegen wir es da wieder raus? Wie nahe Gut und Böse, Liebe und Hass, Freund und Feind beieinander liegen weiß jeder, der einmal morgens um sieben am Straßenverkehr teilgenommen hat. Aber wenn es Gott wirklich gibt, kann es weder Terror, noch Amok, noch Hass geben. Warum gibt es dann Facebook? Zu erwarten ist ein Abend im Ausnahmezustand: Alles ist erlaubt. Politisch, philosophisch, anarchisch. Und nur im Kabarett gilt: Erst wenn es richtig böse ist, ist es wirklich gut.
Florian Schroeder ist ein gefragter Meinungsbildner der jungen Generation und gern gesehener Gast in Talkshows. Der Kabarettist, Kolumnist, Parodist ist vielseitig unterwegs und moderiert die SWR-Kabarettsendung „Spätschicht“. Mit seiner Mischung aus messerscharfer Beobachtungsgabe, philosophischer Substanz und hintergründigem Humor spannt er federleicht den Bogen von Kant bis Facebook.

„Drei Frauen aus Deutschland“ – eine literarische Revue ist am Sonnabend, 11. August, ab 20.00 Uhr im Deutschen Theater zu erleben. 200 Jahre deutsche Geschichte entlang der Lebenslinien dreier Frauen: Bettina von Arnim, Else Lasker-Schüler, Erika Mann, rezitiert von Gesine Cukrowski, Karoline Eichhorn und Teresa Harder.
Erika Mann, die mit ihrem Ensemble „Pfeffermühle“, ihrem scharfzüngigen politischen Kabarett in Zürich, allabendlich für Saalschlachten mit schweizerischen NS-Anhängern sorgte, entwickelte sich im Laufe ihres Lebens von einer vergnügungssüchtigen Bohemienne zu einer politisch denkenden und aktiven Frau. Ähnlich provozierend waren schon Jahrzehnte vorher die Bürgerschreckauftritte der großen Lyrikerin Else Lasker-Schüler, der aus dem Deutschen Reich vertriebenen jüdischen Literatin. Und Bettina von Arnim, geborene Brentano, provozierte das bürgerliche und aristokratische Establishment ihrer Zeit mit ihren Sozialanklagen und ihrem Einsatz für Arme und Unterdrückte.
Leidenschaftlich gelebte Leben, ineinander verwoben. Amüsantes und Berührendes. Gegensätze und Parallelen. Eine stille, fesselnde literarische Revue. Die drei Frauen werden von den erstklassigen mehrfach ausgezeichneten Schauspielerinnen Gesine Cukrowski, Karoline Eichhorn und Teresa Harder verkörpert.

Open Air Festival im KWP
Die Gewinnerbands von Local Heroes Göttingen (17.08.) und Rock am Kaufpark (18.08) eröffnen den jeweiligen Festivalabend, am Freitag gibt es Blues- und Rock der Bands „Unts“ und „Sascha Münnich & die G-Fonics“, am Sonnabend stehen „Kyles Tolone“ und Sven Hammond auf der Bühne.

Mit viel Leidenschaft für ehrliche Blues- und Rockmusik geht die Göttinger Band Unts am Freitagabend bereits zum zweiten Mal an den Start. Mit einer Kostprobe begeisterten die vier Göttinger Musiker bereits 2015 das KWP Publikum, in diesem Jahr mit geänderter Besetzung durch Ulf Reitzenstein, Andy Twele, Stefan Puntke und Tom Dyba. Für den Abschluss am ersten Festivaltag sorgen Göttingens Soul-Man Sascha Münnich & die G-Fonics. Die brandneue Live-Sensation hat ein paar der besten Musiker der Region um sich geschart: Anna Maria Schmidt, Jana Fall, Fabian Haller, Christine Paulus, Wulf Winkelmüller, Mick Scharf, Sebastian „Gomez“ Albert und Tobias Lammers werden im KWP ordentlich einheizen.

Paddy KellyAm zweiten Abend garantieren Kyles Tolone dynamische und anspruchsvolle, zugleich aber auch kompakte und mitreißende Rockmusik. Eric Pulverich, Johann Giertz, Daniel Mau und Jan Fischer heizen dem Publikum ein, bevor es für Sven Hammond, Hollands meist gefeierte Band, heißt: „Bühne frei“. Der fantastische Sänger Ivan Peroti, der grandiose Sound von Sven Figee‘s Hammond-Orgel, die tief-durchdringenden bluesigen Gitarren von Tim Eijmaal, der Bass von Glenn Gaddum und das pulsierende Schlagzeugspiel von Joost Kroon machen jede Show zu einem einzigartigen Rock’n’Roll Ereignis.

Fest gebucht sind für die Sause am KWP auch The Dire Straits Experience am Freitagabend (17.8.) und Michael Petrik Kelly, kurz MPK, am Sonnabend (18.8.).
Nach der Auflösung der Originalband vor über 20 Jahren hat der Saxophonist von Dire Straits, Chris White, mit The Dire Straits Experience eine Band formiert, die die magische Rockmusik der Dire Straits wieder auf die Bühne bringt, verstärkt durch den Schlagzeuger Chris Whitten. In Terence Reis hat White einen würdigen Frontmann gefunden, der die Rolle von Mark Knopfler mehr als ausfüllt. Darüber hinaus vereinte er einige Weltklasse-Musiker. Sie lassen die Songs „Brothers in Arms“, „Walk Of Life“, „Money For Nothing“ u.v.m. wieder live ertönen, mit all ihren Ambitionen, ihrer Großartigkeit und schmerzvollen Schönheit.
Michael Patrick Kelly (Foto: Andreas H. Bitesnich), kurz MPK, kommt im Rahmen seiner erfolgreichen „iD“-Tour in den Göttinger Stadtwald. MPK, vielen besser bekannt als Paddy Kelly, begeistert Publikum und Musik-Kolleginnen und Kollegen gleichermaßen: ausverkaufte Shows im Sommer und Herbst 2017, Teilnahme bei der vierten Staffel von „Sing meinen Song – Das Tauschkonzert“ bei VOX und Top 5 Charteinstieg seines neuen Albums „iD“. Seit über 30 Jahren steht MPK schon auf der Bühne. Mit der Kelly Family hat er Musikgeschichte geschrieben. Heute ist der Singer-Songwriter solo unterwegs. Mit seinem aktuellen Album „iD“ (Identity) zeigt MPK einmal mehr, was alles in ihm steckt.
Tickets gibt es im Vorverkauf bei den üblichen Verdächtigen. Jeweils ein Kind bis 14 Jahre hat in Begleitung eines Erziehungsberechtigten freien Eintritt.
→www.kultursommer.goettingen.de

 
 
         
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